Wände im Innen- und Außenbereich verputzen


Beim Renovieren und Ablösen von alten Tapeten, kann es vorkommen, dass Ihnen auch gleich der Putz mit entgegen kommt. In solchen Fällen müssen die Stellen ausgebessert oder die komplette Wand/Decke neu verputzt werden.

Damit der Putz auch hinterher hält, muss er auf den vorhandenen Untergrund abgestimmt sein. Dafür hilft eine Faustregel, die besagt, dass „Weich auf Hart“ gehört. Das bedeutet, dass bei mehreren Schichten Putz, die äußere Schicht weicher ist.

Der Grund dafür ist, dass bei mineralischen Putzen, die Trocknungsspannung und Temperaturdehnung einkalkuliert werden muss. Hält man sich an die Faustregel, entstehen keine Schäden, wenn der Putz trocknet oder Temperaturunterschiede auftreten.

Diese Faustregel gilt aber nicht für Wärmedämmputzen und Putzen auf Wärmedämmungsverbunde, denn hier werden Bewegungen von den Zwischenputzen aufgefangen. Für die bauaufsichtliche Zulassung sollten alle Komponenten beim Einsatz eines Wärmedämmverbundsystems aufeinander abgestimmt sein und von einem Anbieter stammen.


Für den Innenbereich werden folgende Putzarten verwendet:

  • Mörtelgruppe P1a und b beinhalten als Bindemittel Kalk. Es werden keine Anforderungen an die Mindestdruckfestigkeit in N/mm2 gestellt. Diese Putze eignen sich als Innen- und Außenputze für geringe Beanspruchung. Um eine wasserhemmden und wasserabweisende Eigenschaft zu erzielen, benötigen diese spezielle Zusätze.
  • Mörtelgruppe P1 c beinhaltet ebenfalls Kalk als Bindemittel und besitzt eine Mindestdruckfestigkeit in N/mm2 von 1,0. Geeignet sind diese Putzarten für den Innen- und Außenbereich für normale Beanspruchung. Auch sie sind nur mit Zusätzen wasserhemmend und wasserabweisend.
  • Mörtelgruppe P2 ist als Bindemittel Kalk-Zement zugesetzt. Es hat eine Mindestdruckfestigkeit in N/mm2 von 2,5. Solche Putzen werden als Innenputz verwendet und haben eine erhöhte Abriebfestigkeit. Als Außenputz mit erhöhter Abriebfestigkeit sind sie wasserhemmend. Wasserabweisend jedoch nur mit Zusätzen.
  • Mörtelgruppe P3 wird mit dem Bindemittel Zement hergestellt. Die Mindestdruckfestigkeit in N/mm2 beträgt 10. Dieser Putz ist ideal als Keller- oder Sockelputz und ist wasserabweisend.
  • Mörtelgruppe P4 a,b und c haben das Bindemittel Gips oder Gips-Kalk. Diese Putze sind als Innenputz für normale Beanspruchung gedacht
  • Ebenso Putze aus der Mörtelgruppe P4 d und P5 (Bindemittel: Anhydrid).
  • Mörtelgruppe P Org1 mit Kunstharzdispersion eignet sich besonders als Strukturputz für den Innen- und Außenbereich mit glatten Untergründen.
  • Mörtelgruppe P Org 2 mit Kunstharzdispersion dagegen eignet sich nur als Strukturputz für den Innenbereich auf glatten Untergründen.


Wie Sie sehen, beginnt das Verputzen mit der Auswahl des richtigen Putzes.

Arbeitsweise
Zunächst ein Warnhinweis: Putze mit Zementanteil sind hautfeindlich. Tragen Sie daher Arbeitshandschuhe und beachten Sie unbedingt die Sicherheitshinweise der Hersteller. Auch die Umgebungstemperatur trägt zum Gelingen oder Scheitern bei. Diese Informationen finden Sie ebenfalls auf der Verpackung.

Bevor es nun richtig losgeht, müssen Sie die zu verputzende Stelle von losem Material säubern und anschließend nässen, z.B. mit einem Quast und Wasser. Am Besten machen Sie dieses mehrmals, während Sie den Putz anmischen. Es ist nämlich wichtig, dass Sie beim Verputzen noch eine Restfeuchte im Mauerwerk spüren können.

Die Putzmischung rühren Sie in einem Mörtelkübel oder Eimer an – je nach benötigter Menge. Die Mischung ist ideal, wenn sie cremig ist. Eine Faustregel besagt, je cremiger das Ausgangsmaterial, desto leichter kann man eine glatte Oberfläche spachteln. Bei größeren Flächen sollte der Putz allerdings fester sein, da eine cremige Mischung ansonsten von der Wand rutschen würde.

Die Mischung muss nun einige Minuten stehen und ziehen. Testen Sie noch einmal die Feuchtigkeit der zu verputzenden Stelle und feuchten Sie gegebenenfalls nach.

Mit dem Spachtel können Sie danach schmalere Risse zuspachteln. Größere Flächen bearbeiten Sie mit einer Glättkelle.

Müssen Sie nur Stellen ausbessern, können Sie sich gut an der Putzstärke des Altputzes halten. Bei einer Neuverputzung sollte die Putzstärke etwa 15 – 20 mm betragen.

Auftragen der Putzmischung

Der Profi wirft die Putzmischung mit der Kelle einfach an die Wand. Ungeübte können diese aber auch mit der Kelle auftragen. Danach wird der Putz grob verteilt und anschließend mit einem 1 bis 2 Meter langen Holzstück (muss unbedingt gerade und glatt sein) gleichmäßig von unten nach oben gezogen. Wem das nicht auf Anhieb gelingt, der kann auch Holzbretter in Putzstärke auf die äußeren Grenzen der zu verputzenden Stelle nageln. Auf diese Holzleisten wird dann das Glättholz geführt. Im Handeln sind auch spezielle Schnellputzleisten erhältlich, allerdings sind diese kostspielig.

Ist man mit dem Ergebnis zufrieden, lässt man den Putz zwei Tage trocknen. Danach kann man eventuelle Unsauberkeiten mit einem Spachtel abschaben.


Tipps:

Risse verschließen Sie ganz einfach mit Haftputz. So mancher Handwerker oder Profi schwört auf Acryl- oder Silikondichtmasse. Dies mag für den Moment ausreichen, aber es ist auch möglich, dass dies gerade mal ein Jahr hält und man anschließend Mühe hat, die Dichtmasse wieder zu entfernen. Haben Sie das Problem schon, dann verwenden Sie zum Entfernen einen Druckstrahler mit Fräsaufsatz.

Auch das Abdecken von Rissen mit einem Netzgeflecht wird oft angepriesen. Doch bei einem Haus das arbeitet (Bergbauschäden) wird auch hier der Putz früher oder später reißen. Daher können Sie auf solche Maßnahmen verzichten.